Der Iran gegen das Reich: Kampf gegen die Dollarisierung
Written by Eric Walberg Эрик Вальберг إيريك ولبر    Wednesday, 21 November 2012 20:58    PDF Print E-mail

Die Versuche des Westens, die iranische Wirtschaft durch gesteigerte Sanktionen zu zerstören – betreffend die meisten Importe, Ölexporte und die Bankabwicklung von Handelsgeschäften – wirken sich aus. Laut Professor Steve Hanke von der Johns Hopkins Universität steht der Iran vor einer Hyperinflation mit einer monatlichen Inflationsrate von etwa 70%, und seine nationale Währung, der Rial, sinkt im Wert gegenüber den westlichen Währungen. Der Iran ist das letzte Opfer, das auf den Hanke-Krus-Hyperinflationsindex gesetzt werden müsste, auf dem unter anderem Frankreich (1795), Deutschland (1922), Chile (1973), Nicaragua (1986), Argentinien (1990), Russland (1992), Ecuador (1999) und Zimbabwe (2007) zu finden sind, alles Länder, die Preissteigerungen von mindestens 50% im Monat mitgemacht haben.

Hanke, der seine Rolle als der Weltexperte für dieses beklemmende Phänomen genießt, hat „eine bedeutende Rolle gespielt bei der Vermeidung von mehr Hyperinflationen als jeder andere lebende Wirtschaftswissenschafter, darunter in 10 von den 57 Fällen“ auf seinem Index. Er schreibt, dass der Iran drei Optionen hat: spontane Dollarisierung (die Menschen tauschen ihre Rial auf dem Schwarzmarkt gegen Dollars, wie es in Zimbabwe der Fall war), offizielle Dollarisierung (die Regierung zieht die Währung zugunsten des Dollars zurück, wie in Ecuador geschehen), oder ein Währungsgremium gibt eine neue heimische Währung heraus, die zu 100% durch – man ahnt es – Dollars gestützt ist. Hanke behauptet, dass die ausländische Währung nicht US Dollars sein müssen. Die Insel Pitcairn zum Beispiel benützt neuseeländische Dollars.

Der Inflationsdoktor gibt vage zu, dass „ausländische Faktoren“ im Spiel sind, ohne eine Spur von Kritik nicht nur an den Sanktionen, sondern auch an der aktiven Unterminierung des Iran von der Unterstützung iranischer Terroristen, Ermordung führender Wissenschafter bis zum Krieg (die Vereinigten Staaten von Amerika ermutigten den Irak zu seiner Invasion des Iran 1980). Er hebt „das komplexe System von Subventionen, Kapitalkontrollen und mehrfacher Währungskurse des Iran“ hervor, am meisten von allem aber „den massiven Druck von zuviel Geld,“ obwohl er beklagt, dass „die Zentralbank der Islamischen Republik Iran seit einiger Zeit keine diesbezüglichen Statistiken veröffentlicht hat.“ Als ob ein Land, dass sich in einem Zustand des Notstands befindet, solche sensitiven Informationen preisgeben würde.

Cool tut er die Beeinflussung der Preise durch Erwartungen der Verbraucher ab, da „Angst, welche militärische Spannungen umgibt, für Iraner nichts neues ist.“ In Wirklichkeit haben die Vereinigten Staaten von Amerika den Iran für die Zerstörung vorgesehen, seit er 1979 seine kolonialen Ketten abgeworfen hat – ein gefährliches Beispiel für andere, besonders muslimische Länder. Es ist praktisch ein Wunder, dass es dem Iran wirtschaftlich seit der Revolution so gut gegangen ist, geht man von den unablässigen Schikanen aus, denen er ausgesetzt war. Man kann nur den hartnäckigen Mut bewundern, den er gezeigt hat beim Aufbau einer islamischen Gesellschaft angesichts der Opposition des Weltreichs und sogar von Seiten anderer muslimischer Länder, die mit dem Weltreich verbündet sind.

In der Tat werden wir fragen, warum die Inflationsrate des Iran gerade in letzter Zeit so dramatisch angestiegen ist. Natürlich wegen der Sanktionen. Und warum gibt es die Sanktionen? Ist es wirklich die Angst, dass der Iran eine Atombombe entwickeln wird, trotz gegenteiliger Beteuerungen und der Mitgliedschaft bei der IAEA? Nein. Neben der Rolle des Iran, der das derzeitige „islamische Neuerwachen“ im Mittleren Osten inspiriert, gibt es einen anderen sehr wichtigen Grund, einen, der allen „drei Optionen“ Hankes ins Gesicht geschrieben steht.

Diese „Optionen” laufen alle hinaus auf eine: akzeptiert die Diktatur des US-Dollars. Der Iran hat Erdöl gegen nicht-US-Dollar-Währungen seit 2008 verkauft, als er seine Ölbörse eröffnete. Der Irak tat das 2000, und die Reaktion der Vereinigten Staaten von Amerika darauf war der Einmarsch – Dollarisierung mit vorgehaltenem Gewehr. Der Grund der heutigen Sanktionen ist ein letzter Versuch der Vereinigten Staaten von Amerika, den Iran zu zwingen, sich der Weltordnung der Vereinigten Staaten von Amerika zu unterwerfen, die sich manifestiert durch den fortgesetzten Gebrauch des US Dollars als die Reservewährung der Welt.

Hanke bleibt dabei, es sei nicht nötig, dass der Iran US Dollars als seine Reservewährung benutze, was in jedem Fall unter den gegebenen Umständen lächerlich wäre. Allenfalls würde die Alternative, zum Beispiel der Gebrauch von Neuseeland-Dollars, die Realität übertünchen, dass alle Währungen an den US Dollar gebunden sind, der de facto die internationale Weltreservewährung ist. Und das seit den 1930er Jahren, nachdem die Welt vom Goldstandard abging. In Anerkennung dieser Tatsache nennen über 20 Länder ihre gesetzliche Währung „Dollars“.

Ob die Regierung schnell die weiße Flagge hisst wie in Ecuador, oder sich Zeit lässt, wie in Zimbabwe, oder darauf besteht, neues Papier mit 100%iger Bindung an den US Dollar durch ein Währungsgremium herauszugeben, wie es Argentinien gemacht hat, bestätigt nur das Offensichtliche. In den vergangenen Fällen wie Chile, Nicaragua und Zimbabwe war die Botschaft: eure sozialistische Politik ist inakzeptabel. Im Fall des Iran lautet die Botschaft: nehmt Dollars für euer Öl!

Hankes monetaristisches Credo – Geld drucken verursacht Inflation – ignoriert die tiefer liegenden Ursachen von Inflation. Wie er zugibt, haben die Iraner mehr als drei Jahrzehnte lang in Angst vor dem Krieg gelebt. Die Währungskontrollen und Subventionen, „Regierungsmonopole, Preiskontrollen und Wirtschaftsplanung im sowjetischen Stil,“ welche Hanke als „irregeleitet“ bezeichnet, sind nicht die Ursache von Inflation, sondern eine Möglichkeit für die Regierung, diese unter Kontrolle zu halten. An einem bestimmten Punkt nehmen die „äußeren Faktoren“ allerdings dermaßen überhand, dass sogar solche Maßnahmen versagen. Das ist jetzt geschehen, nachdem die Sanktionen extreme Belastungen für den durchschnittlichen Iraner verursacht haben. Leere Regale und Panik angesichts von Invasionsdrohungen bewirken, dass die Währung an Wert verliert, ganz egal wieviele Rial die Regierung druckt.

Das geschah 1922 in Deutschland, als dieses gezwungen war, alles zu exportieren, um das Gold zu kaufen, mit dem es die ungeheuren Reparationen zahlen musste. Das endete, indem man zu Hankes Währungsgremium griff und Mark auf Goldbasis einführte, aber die tiefer liegende Ursache – die von Britannien und Frankreich betriebene Erpressung – endete erst, als Hitler an die Macht kam und die Reparationen aufkündigte. Die verheerenden Auswirkungen der „äußeren Faktoren“ führten in diesem Fall zum Aufstieg des Faschismus.

Professor Michael Hudson von der Universität von Missouri bleibt dabei, dass „jede Hyperinflation in der Geschichte in den Währungsmärkten begründet ist. Sie kommt von Regierungen, die versuchen, genügend von ihrer Währung auf den Markt zu werfen, um ihre Schulden im Ausland zu bezahlen.“ Der kanadische Kommentator Stephen Gowans nennt das „Kriegsführung mit anderen Mitteln.“ Die Entwertung der Währung des Gegners wurde als Kriegstaktik von Napoleon gegen die Russen, und von den Briten gegen die amerikanischen Kolonisten angewendet.

Eine Betrachtung all der Länder auf Hankes Hyperinflationsindex lässt Ähnlichkeiten bei den Ursachen und realen Möglichkeiten bei der Beseitigung der tiefer liegenden Ursachen, die in jedem Fall zur Hyperinflation geführt haben, erkennen. Ecuador übernahm letztendlich die Kontrolle seiner Wirtschaft und reduzierte seine Schulden im Ausland dem IWF zum Trotz unter Präsident Rafael Correa, der heute der beliebteste politische Führer in ganz Amerika ist. Das schuf politische Stabilität und beendete die ständig im Raum stehende Inflationsdrohung. Das Gleiche gilt für Argentinien unter Präsident Nestor Kirchner und für Russland unter Präsident Vladimir Putin.

Hanke ist wie der Arzt, der dem angeschossenen Patienten sagt, er müsse sein Bein sofort amputieren lassen. Er weigert sich, die Sanktionen, die ohne Grund gegen die iranischen Menschen gerichtet sind, als Verletzung der Menschenrechte zu verdammen. Er möchte das Bein des Patienten abschneiden, um ihn zu retten, was er in ein paar Stunden bewerkstelligen kann. Die iranische Regierung versucht, die Kugel zu entfernen und ein strenges Regime der Sanierung anzuwenden, was Geduld und Mut erfordert. Es gibt keine magische Heilung, mit der sich Inflation unter diesen Umständen beseitigen lässt.

Es droht die Möglichkeit, dass die Vereinigten Staaten von Amerika eine weitere verbrecherische Invasion eines muslimischen Landes begehen werden, denkt man an ihre Kriegsverbrechen gegen Afghanistan und Irak. Die reale Analogie für den Iran bildet die Zeit des Krieges. Während des Krieges rationieren alle Länder seltene Güter und die Menschen stehen zusammen und nehmen Opfer auf sich angesichts des Feindes. Das ist die einzige Lösung für den heutigen Iran, außer er stimmt dem Beitritt als Juniormitglied zum nach dem US Dollar bezeichneten Weltreich zu. Hankes Patient könnte wohl sterben unter der „Anästhesie“ von Bomben der Vereinigten Staaten von Amerika und Israels, aber die Menschen im Iran sind stolz und werden bis zum letzten Atemzug für ihre Würde kämpfen. Die Bedenken rund um die Hyperinflation werden dann verblassen im Vergleich zu den realen „äußeren Faktoren,“ und die Vereinigten Staaten von Amerika werden vor der Rache der Geschichte für ihre Verbrechen stehen.

Die meisten Länder haben zu viel Angst vor dem Wolf Vereinigte Staaten von Amerika, um sich gegen diesen zu erheben. Es gibt aber Ausnahmen. China, Russland, Indien und Südkorea haben den „Patienten“ nicht aufgegeben. Ägypten stellt diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen mit dem Iran her unter Missachtung der Vereinigten Staaten von Amerika. Hoffentlich werden sich weitere Länder des „Arabischen Frühlings“ mit dem Iran zusammentun bei der Verfolgung einer Politik der Gerechtigkeit für den Mittleren Osten, und gemeinsam daran arbeiten, das furchtbare Erbe des Imperialismus der Vereinigten Staaten von Amerika in der Region zu überwinden. Eines Tages wird „Dollarisierung“ ein Markenzeichen sein, das für den „Aschenhaufen der Geschichte“ bestimmt ist.

http://antikrieg.com/aktuell/2012_11_01_deriran.htm

 

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Eric Walberg


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Canadian Eric Walberg is known worldwide as a journalist specializing in the Middle East, Central Asia and Russia. A graduate of University of Toronto and Cambridge in economics, he has been writing on East-West relations since the 1980s.

He has lived in both the Soviet Union and Russia, and then Uzbekistan, as a UN adviser, writer, translator and lecturer. Presently a writer for the foremost Cairo newspaper, Al Ahram, he is also a regular contributor to Counterpunch, Dissident Voice, Global Research, Al-Jazeerah and Turkish Weekly, and is a commentator on Voice of the Cape radio.